Gemeinde Thurn in Osttirol

Helenenkirchl

In der Pfarrchronik zu St. Andrä lesen wir, dass Albert v. Görz-Tirol im Jahre 1290 das Helenenkirchl erbauen ließ. Im Chor der Kirche ist eine Tafel eingemauert mit den schlichten Worten:

„Andrä v. Graben A.D. MDXXXII“.

Er hat die ursprüngliche Kabelle zur heutigen Kirche erweitern lassen. Der entstandene Neubau wurde am Ostermontag 1533 geweiht. Eine Bestätigung der Stiftung von Maria Riemstecher aus dem Jahre 1306 erwähnt die Helenenkirche erstmals zwei Jahre vor Thurn.

 

Die Thurner sind mit dieser Kirche durch Verlöbnisse weit in die Vergangenheit zurück verbunden:

Fünf Bittgänge, fünf hl. Messen und vier Kreuzgänge sowie die Auferstehung am Karsamstag um 12 Uhr mit der Verteilung der Helenenbrote wurden noch 1955 abgehalten.

 

Die St. Helenenkirche war eine gut dotierte Filialkirche zu St. Andrä in Lienz, bis sie dann 1792 der Kaplanei Oberlienz einverleibt worden ist. Das geschah trotz heftigen Widerstandes des Dekans Sterzinger, der dann aus Protest resignierte. Die Thurner standen zu ihrem Dekan. In erhaltenen Handzetteln ist sogar von „Hinunterwerfen“ die Rede …. Die Gegenwehr blieb erfolglos.

 

Die Betreuung der Kirche gaben die Thurner weiterhin nicht aus der Hand. 1904 war Alois Gander von Egger Mesner und Wilhelm Hochrauter vom Trattner Kirchenprobst. Von 1914 bis nach dem Zweiten Weltkrieg versah der Eggerknecht Josef Mittig das „Amt“. Beim Herannahen von Gewittern lief er nach St. Helene hinüber zum Wetterläuten. Nach Mittig, gest. 1956, übernahm der Bartlerbauer Alois Possenig die Mesnerei und nach seinem Tod 1980 Sohn Andrä bis Ende des 20. Jahrhunderts.

 

Diese über 200 Jahre bestehende Betreuung der Kirche im Einvernehmen mit Oberdrum und Oberlienz hatte Bestand bis zur gründlichen Renovierung 1997/98. Da die Kirche seit dem Reichsgemeindegesetz von 1862 und der Tiroler Gemeindeordnung von 1866 zur Katastralgemeinde Oberlienz/Oberdrum gehört, war die Zusammenarbeit mit dem Tiroler Landeskonservator nur über Oberlienz möglich. Auch im Hinblick auf Eigenleistung und Subvention war ein Zusammengehen mit Thurn schwierig. Thurn geriet etwas ins Abseits, was den überlieferten religiösen Verpflichtungen aber keinen Abbruch getan hat.

 

Seit 1998 ist OSR Gabriel Ortner von Oberlienz Mesner und Lektor. Die Kirchenpflege und den Blumenschmuck besorgt das Ehepaar Veronika u. Hans Forcher aus Thurn.

 

 

 

 

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